Aphasie
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die nach einem Schlaganfall, einem Schädel-Hirn-Trauma oder einer anderen Hirnschädigung auftreten kann. Sie betrifft das Sprechen, das Sprachverstehen, das Lesen und das Schreiben – aber nicht die Intelligenz. Mit gezielter Therapie können viele Betroffene bedeutende Fortschritte erzielen.
Was ist Aphasie?
Aphasie entsteht durch eine Schädigung der sprachverarbeitenden Hirnareale, meist in der linken Hemisphäre. Sie tritt plötzlich auf – als direkte Folge des Ereignisses, das die Hirnschädigung verursacht hat.
Aphasie ist keine Erkrankung des Denkens oder der Persönlichkeit. Betroffene haben häufig klare Gedanken, können diese aber nicht mehr oder nur eingeschränkt in Sprache ausdrücken – was für sie und ihre Angehörigen sehr belastend ist.
Häufige Formen der Aphasie
- Broca-Aphasie – langsames, angestrengtes Sprechen mit vereinfachter Grammatik; Verstehen meist besser erhalten
- Wernicke-Aphasie – flüssiges, aber schwer verständliches Sprechen; Sprachverstehen stark beeinträchtigt
- Globale Aphasie – schwerste Form; alle Sprachmodalitäten stark betroffen
- Amnestische Aphasie – Wortfindungsstörungen im Vordergrund, Sprechen und Verstehen weitgehend erhalten
Auswirkungen im Alltag
Aphasie betrifft alle sprachlichen Modalitäten in unterschiedlichem Ausmaß:
- Sprechen: Wortfindungsstörungen, Satzbrüche, Neologismen (erfundene Wörter)
- Sprachverstehen: Schwierigkeiten bei langen oder komplexen Sätzen
- Lesen: Verstehen von Texten, einzelnen Wörtern oder Buchstaben
- Schreiben: Rechtschreibfehler, Buchstabenverwechslungen, fehlende Wörter
- Kommunikation: soziale Isolation, veränderte Rollen in Familie und Beruf
Was Angehörige wissen sollten
Der Umgang mit einem aphasischen Menschen erfordert Geduld und angepasste Kommunikationsstrategien: ruhig und deutlich sprechen, Zeit lassen, einfache Satzstrukturen verwenden, visuelle Unterstützung einsetzen.
Die Belastung für Angehörige ist oft erheblich. Wir beziehen Familienmitglieder aktiv in die Therapie ein und beraten zu Kommunikationsstrategien im Alltag.
Unser Therapieansatz
Die Therapie beginnt mit einer standardisierten Aphasiediagnostik, die alle sprachlichen Bereiche erfasst. Auf dieser Basis werden individuelle Therapieziele definiert – orientiert an den Alltagsbedürfnissen der betroffenen Person.
Wir setzen auf eine Kombination aus sprachsystematischen Übungen und alltagsorientierter Kommunikationstherapie. Bei Bedarf werden Methoden der Unterstützten Kommunikation eingesetzt.
Therapieverlauf
- 1Standardisierte Aphasiediagnostik
- 2Alltagsziele gemeinsam mit Betroffenen und Angehörigen festlegen
- 3Sprachsystematische Übungen: Wortfindung, Grammatik, Verstehen
- 4Alltagsorientierte Kommunikationstherapie
- 5Angehörigenberatung und Kommunikationsstrategien
- 6Verlaufsmessung und Anpassung der Ziele
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Erholung nach einer Aphasie?
Die größten Fortschritte werden in den ersten Wochen und Monaten nach dem Ereignis erzielt. Verbesserungen sind aber auch Jahre danach noch möglich. Regelmäßige, intensive Therapie ist entscheidend.
Meine Mutter hatte einen Schlaganfall – wann sollte Logopädie beginnen?
So früh wie möglich, bereits in der Akutphase. Logopädie wird in der Regel in der Reha-Klinik begonnen und sollte nach der Entlassung ambulant weitergeführt werden, um erreichte Fortschritte zu festigen.
Wie viele Therapieeinheiten pro Woche sind sinnvoll?
Bei Aphasie ist eine intensive Therapie – mindestens 2–3 Einheiten pro Woche – besonders in der Akutphase empfehlenswert. Häufigkeit und Dauer werden mit Krankenkasse und behandelndem Arzt abgestimmt.
Gibt es Selbsthilfegruppen für Aphasie-Betroffene?
Ja – die Bundesvereinigung der Aphasiker bietet Informationen und vermittelt regionale Selbsthilfegruppen. Gemeinschaft mit anderen Betroffenen kann die Therapie sinnvoll ergänzen.
Bereit für den nächsten Schritt?
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