Redeflussstörungen: Stottern und Poltern
Stottern und Poltern sind Redeflussstörungen, die den Sprechfluss unterbrechen. Sie haben nichts mit mangelnder Intelligenz oder Nervosität zu tun. Mit der richtigen Therapie lässt sich der Redefluss deutlich verbessern und die Lebensqualität steigern.
Was ist Stottern?
Stottern ist eine Redeflussstörung, bei der Wiederholungen ("da-da-das"), Verlängerungen ("daaas") und Blockierungen – also ein vollständiges Stoppen des Sprechflusses – auftreten. Stottern beginnt meist im Kindesalter zwischen 2 und 5 Jahren.
Neben den Sprechunflüssigkeiten können Begleitbewegungen (z. B. Augenzwinkern, Kopfbewegungen), Vermeideverhalten und emotionaler Druck auftreten. Stottern ist kein psychisches Problem, hat aber oft psychosoziale Auswirkungen.
Was ist Poltern?
Poltern (Cluttering) ist durch ein übermäßig schnelles und/oder unregelmäßiges Sprechtempo gekennzeichnet. Die Sprache klingt überstürzt und schwer verständlich – der Betroffene merkt dies häufig selbst kaum.
Poltern tritt oft zusammen mit Stottern auf. Im Unterschied zu Stotternden haben Polternde meist wenig Situationsangst und sind sich der Unflüssigkeiten oft nicht bewusst.
Stottern bei Kindern
Viele Kinder stottern in der Spracherwerbsphase vorübergehend – das ist normal und gibt sich häufig von selbst. Eine logopädische Abklärung ist empfehlenswert, wenn das Stottern länger als 6–12 Monate besteht, zunimmt oder das Kind Begleit- oder Vermeideverhalten zeigt.
Frühzeitige Therapie ist sinnvoll: Im Kindesalter ist das Nervensystem plastischer, und die Chancen auf vollständige Remission sind deutlich höher als im Erwachsenenalter.
Stottern bei Erwachsenen
Bei Erwachsenen, die seit der Kindheit stottern, ist ein vollständiges Verschwinden selten. Das Ziel der Therapie ist daher ein bewussterer, entspannterer Umgang mit dem Stottern.
Bewährte Ansätze sind Fluency-Shaping (Sprechen neu lernen), Stotter-Modifikation und psychosoziale Arbeit an Angst- und Vermeideverhalten. Viele Erwachsene berichten, dass Therapie ihre Lebensqualität deutlich steigert.
Unser Therapieansatz
Wir arbeiten evidenzbasiert und richten die Therapie nach Alter, Schweregrad und den individuellen Zielen. Bei Kindern beziehen wir Eltern aktiv ein, da der Umgang mit dem Stottern im familiären Umfeld eine wichtige Rolle spielt.
Für Kinder unter Schuleintritt setzen wir häufig auf indirekte Methoden – also Anpassung der Kommunikationsumgebung. Für ältere Kinder und Erwachsene kommen Fluency-Shaping- und Stotter-Modifikationsansätze zum Einsatz.
Therapieverlauf
- 1Ausführliche Anamnese: Stottergeschichte, Situationen, Leidensdruck
- 2Stotteranalyse: Art, Häufigkeit, Schweregrad
- 3Zielbesprechung: Was ist dem Betroffenen und der Familie wichtig?
- 4Therapiephase: Sprechtechniken, Desensibilisierung, Kommunikationsstrategien
- 5Elternberatung (bei Kindern) oder Umfeldberatung
- 6Transfer in Alltags- und Kommunikationssituationen
Häufige Fragen
Mein Kind stottert seit 3 Monaten – soll ich sofort zur Logopädie?
Vorübergehende Sprechunflüssigkeiten sind bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren häufig normal. Wenn das Stottern länger als 6 Monate anhält, zunimmt oder das Kind Begleit- oder Vermeideverhalten zeigt, empfehlen wir eine logopädische Abklärung.
Kann man Stottern heilen?
Bei Kindern besteht eine gute Chance auf vollständige Remission, besonders bei frühem Therapiebeginn. Bei Erwachsenen ist ein vollständiges Verschwinden selten – das Ziel ist ein souveräner, entspannter Umgang mit dem Stottern und die Steigerung der Lebensqualität.
Das Stottern meines Kindes wird schlimmer, wenn es aufgeregt ist – ist das normal?
Ja. Emotionale Erregung, Zeitdruck und soziale Situationen verstärken Stottern typischerweise. Das bedeutet nicht, dass das Kind "nervös" ist – das Nervensystem reagiert bei Stotternden sensibler auf diese Faktoren.
Wie kann ich als Elternteil helfen?
Das Wichtigste: Ruhe und Zeit geben. Nicht auf Flüssigkeit bestehen, nicht unterbrechen, Augenkontakt halten und zuhören. Sätze nicht für das Kind vollenden. Konkrete Kommunikationsstrategien besprechen wir im Therapieprozess.
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