Sprachentwicklungsstörungen bei Kindern
Wenn ein Kind beim Sprechen oder Sprachverstehen hinter Gleichaltrigen zurückbleibt, kann eine Sprachentwicklungsstörung (SES) vorliegen. In unserer Praxis in Erding diagnostizieren und therapieren wir kindliche Sprachentwicklungsstörungen — individuell, altersgerecht und mit Einbezug der Familie.
Was ist eine Sprachentwicklungsstörung?
Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn ein Kind seine Muttersprache nicht im erwarteten Tempo oder Umfang erwirbt. Betroffen sein können Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis und/oder Aussprache.
Im Unterschied zu einer vorübergehenden Sprachverzögerung („Late Talker") bleibt eine SES ohne gezielte Förderung in der Regel bestehen und kann sich auf schulisches Lernen, Selbstvertrauen und soziale Kontakte auswirken.
Wie häufig ist eine Sprachentwicklungsstörung?
Etwa 5 bis 8 Prozent aller Kinder im Vorschulalter sind von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen, Jungen häufiger als Mädchen. Damit gehört die SES zu den häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter.
Je früher die Diagnose gestellt und mit gezielter Therapie begonnen wird, desto besser sind die Aussichten — viele Kinder können ihre sprachlichen Schwierigkeiten mit logopädischer Unterstützung gut aufholen.
Welche Bereiche der Sprache sind betroffen?
Eine SES kann einen oder mehrere der folgenden sprachlichen Bereiche betreffen:
- Aussprache (Phonologie) — Laute werden falsch gebildet oder ersetzt
- Wortschatz (Lexikon) — wenige aktive Wörter, häufiges „Wortsuchen"
- Grammatik (Morphologie und Syntax) — Schwierigkeiten mit Satzbau, Beugung, Verbstellung
- Sprachverständnis — gesprochene Sätze, Anweisungen oder Geschichten werden nicht erfasst
- Pragmatik — Sprache wird situativ unpassend eingesetzt (selten betroffen, häufiger bei Autismus-Spektrum)
Anzeichen erkennen
Typische Hinweise — abhängig vom Alter des Kindes:
- Mit 24 Monaten: deutlich weniger als 50 Wörter, keine Zwei-Wort-Sätze
- Mit 3 Jahren: schwer verständliche Aussprache, sehr eingeschränkter Wortschatz
- Mit 4 Jahren: anhaltende Grammatikfehler, Schwierigkeiten beim Erzählen
- Mit 5-6 Jahren: Probleme beim Verstehen längerer Anweisungen, Wortfindungsstörungen
Ursachen und Risikofaktoren
Eine SES hat meist mehrere Faktoren als Ursache und entsteht nicht durch elterliches „Versagen" oder mangelnde Anregung. Häufige Einflüsse sind genetische Veranlagung (familiäre Häufung), Frühgeburtlichkeit, häufige Mittelohrentzündungen in der frühkindlichen Phase oder vorübergehende Hörbeeinträchtigungen.
Vor einer SES-Diagnose schließen wir eine Hörstörung sowie andere Entwicklungsbesonderheiten aus. In vielen Fällen lässt sich keine eindeutige Ursache benennen — entscheidend ist nicht das „Warum", sondern die rechtzeitige Therapie.
Mehrsprachigkeit und SES
Mehrsprachiges Aufwachsen ist kein Risikofaktor für eine SES — Kinder weltweit erwerben mehrere Sprachen parallel ohne Probleme. Eine SES zeigt sich aber, wenn vorhanden, in allen Sprachen des Kindes.
Wenn ein Kind nur in der Zweitsprache (z.B. Deutsch) Schwierigkeiten hat, in der Erstsprache aber altersgerecht spricht, liegt meist ein normaler Zweitspracherwerb vor — keine SES. Für eine sichere Einschätzung ist es wichtig, die Sprachfähigkeiten in allen gesprochenen Sprachen zu prüfen — wir beraten Sie dazu im Erstgespräch.
Wenn keine Therapie stattfindet
Ohne gezielte Förderung können sich Sprachschwierigkeiten in mehreren Lebensbereichen auswirken:
- Schule: erhöhtes Risiko für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) und allgemeine Lernschwierigkeiten
- Soziales: Rückzug, Frust beim Sprechen, weniger Kommunikation mit Gleichaltrigen
- Selbstvertrauen: Kinder spüren ihre Schwierigkeiten und entwickeln häufig ein gemindertes Selbstbild
- Langfristig: eingeschränkte Bildungs- und Berufswege
Wie wir Sprachentwicklungsstörungen therapieren
Am Anfang steht eine umfassende Diagnostik: Wir prüfen Wortschatz, Grammatik, Sprachverständnis und Aussprache in einer kindgerechten Atmosphäre. Auf Basis der Ergebnisse erstellen wir einen individuellen Therapieplan und besprechen die Ziele gemeinsam mit den Bezugspersonen.
Therapieverlauf
- 1Erstgespräch und Anamnese (mit Bezugsperson)
- 2Diagnostik (1-2 Sitzungen je nach Alter)
- 3Therapieplan und Zielabsprache
- 4Regelmäßige Therapiesitzungen (typisch 1× pro Woche, 45 Min)
- 5Elternberatung und Transferaufgaben für den Alltag
- 6Regelmäßige Verlaufskontrollen
Häufige Fragen
Ab wann sollte ich mir Sorgen machen, wenn mein Kind wenig spricht?
Wenn ein Kind mit 24 Monaten weniger als 50 Wörter spricht oder keine Zwei-Wort-Kombinationen bildet, sprechen wir von einem „Late Talker". Eine logopädische Abklärung ist ab diesem Zeitpunkt sinnvoll, auch wenn manche Kinder ihren Rückstand spontan aufholen.
Mein Kind wächst mehrsprachig auf — kann das eine SES sein?
Mehrsprachiges Aufwachsen verursacht keine SES. Wenn jedoch Auffälligkeiten in allen gesprochenen Sprachen bestehen, lohnt sich eine Abklärung. Verzögerungen nur in der Zweitsprache bei altersgerechter Entwicklung der Erstsprache weisen meist auf einen normalen Zweitspracherwerb hin und sind in der Regel keine SES.
Was kann ich als Elternteil zuhause tun?
Viel sprechen, vorlesen und gemeinsam Bilderbücher anschauen. Das Kind aussprechen lassen, Augenkontakt halten und falsche Äußerungen nicht direkt korrigieren, sondern korrekt wiederholen („Da Hund" → „Ja, da ist ein Hund."). Konkrete alltagstaugliche Übungen besprechen wir gerne im Rahmen der Therapie.
Übernimmt die Krankenkasse die Logopädie?
Ja. Bei einer ärztlichen Heilmittelverordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Therapiekosten — eine geringe gesetzliche Zuzahlung kann anfallen. Wir rechnen direkt mit Ihrer Kasse ab; Sie haben keinen Erstattungsaufwand. Privatpatienten und Selbstzahler sind ebenfalls willkommen.
Brauche ich eine Verordnung für die Logopädie?
Ja, für gesetzlich versicherte Kinder benötigen Sie eine Heilmittelverordnung von Ihrem Kinderarzt oder Hausarzt. Diese können Sie vor dem ersten Termin oder beim Erstgespräch mitbringen.
Wie lange dauert die Therapie?
Das hängt vom individuellen Therapiebedarf ab. Eine erste Verordnung umfasst meist 10 Sitzungen, oft sind weitere Verordnungen notwendig. Wir besprechen mit Ihnen regelmäßig den Fortschritt und die nächsten Schritte.
Was passiert, wenn mein Kind nicht therapiert wird?
Ohne gezielte Förderung bleiben sprachliche Schwierigkeiten meist bestehen und können sich auf Schule (insbesondere Lesen und Schreiben), soziale Kontakte und Selbstvertrauen auswirken. Eine frühe Therapie hat die besten Erfolgschancen — viele Kinder können dadurch ihre sprachlichen Fähigkeiten deutlich verbessern.
Bereit für den nächsten Schritt?
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